Nachgefragt bei der Kinder- und Jugendbuchautorin Claudia Wagner

Wusstet ihr, dass die Kaiserin Sisi an der Schulter tätowiert war? Und jeden Tag an Ringen und Sprossenwand ein straffes Fitnessprogramm absolvierte? Kennt ihr das Leibgericht und die Lieblingsfarbe des Märchenkönigs Ludwig II?

Auf der Suche nach geeigneter Lektüre für meine Tochter, stieß ich in einer Starnberger Buchhandlung mehr oder weniger zufällig auf das Buch „König und Kaiserin auf kleinem Fuß“. Das farbenfrohe, moderne Cover hat mich sofort angesprochen. Das Buch richtet sich vorwiegend an Kinder und Jugendliche. Beim Durchblättern begibt man sich bereits auf die geheimnisvollen Spuren von Kaiserin Elisabeth und König Ludwig II. am Starnberger See.  Gleich zu Beginn fällt mir das Vorwort auf. Anstelle eines Vorwortes erwartet Leser ein „Geleitwort“. Dieses stammt tatsächlich von einem Urenkel des letzten bayerischen Königs, Ludwigs III. Um ganz korrekt zu bleiben: von Seiner Königlichen Hoheit Herzog Franz von Bayern. Er ist übrigens derzeit das Familienoberhaupt der Wittelsbacher. Jene Wittelsbacher, denen auch Märchenkönig Ludwig II und die Kaiserin Sisi angehörten.

Wie kommt man zu so einem geadelten Vorwort? Und wie entsteht die Idee, ein Geschichtsbuch für Kinder und Jugendliche zu schreiben über ein Thema, zu dem es wahrlich genug Lesestoff gibt? Ich frage nach und treffe die in Starnberg lebende Autorin Dr. Claudia Wagner in einem Cafe am Starnberger See zu einem Gespräch:

Claudia, war es schon immer dein Traum, Autorin zu werden?

Gute Frage. Nein, das hat sich im Laufe der Jahre entwickelt. Ich habe Germanistik und Kunstgeschichte in München studiert und im Anschluss an der FU Berlin promoviert. In einem großen Sachbuchverlag lernte ich in meiner Funktion als Projektleitung die Entstehung eines Buches kennen; die einzelnen Schritte vom ersten Manuskript, Lektorat bis hin zum Druck und der Vermarktung. In meiner Elternzeit habe ich aber erst einmal bei der Stadt München eine Ausbildung zur offiziellen Gästeführerin absolviert – aus purem Interesse. In dieser Zeit lernte ich unsere Heimatgeschichte sehr intensiv kennen und schätzen. Mein kombiniertes Wissen und die gesammelten Erfahrungen bildeten eine gute Grundlage für eigene Bücher.

Wie wird man offizielle Gästeführerin von München?

Die Ausbildung dauert drei Monate und besteht aus Theorie und viel Praxis. Vormittags drückten wir die Schulbank und paukten Geschichte. Nachmittags ging es auf Exkursion. Wir besuchten zahlreiche Museen, das Nationaltheater, die Allianz Arena, kletterten auf das Olympiadach und verinnerlichten unser angeeignetes Wissen. Eine schriftliche und mündliche Prüfung beendet die Ausbildung.

Wie ging es dann weiter?

Nach meinem Abschluss erhielt ich von der Stadt München erste Anfragen für verschiedene Themenführungen, in erster Linie für Erwachsene. Zum Beispiel über das königliche München, die Residenz, die Zeit des Nationalsozialismus, aber auch zu den verschiedenen Museen. Ich merkte, dass mir Führungen sehr viel Spaß bereiten. Jede Führung ist mit ihren Teilnehmern – ob groß oder klein – anders und verspricht eine neue Herausforderung.

Als meine Kinder dann in die Schule kamen, wurde ich von Lehrern und Eltern angesprochen, ob ich für eine Schulklasse nicht auch einmal eine Führung durch Starnberg machen und altersgerecht über die spannende Starnberger Geschichte und berühmten Persönlichkeiten wie den Märchenkönig Ludwig II und Kaiserin Sisi erzählen könnte. Für die Stadtführung wählte ich 23 verschiedene Stationen in Starnberg. Beim Ludwig Rundgang machen wir 10 Stopps zwischen Starnberg und Leoni und bei Sisi ähnlich viele rund um Feldafing. Die Stationen suche ich ganz oder teilweise mit Schulklassen auf. Jede Station erzählt ein kleines Stück Geschichte. Dazu gehört zum Beispiel Schloss und Badegelände in Possenhofen, der historische Bahnhof Feldafing, das Hotel Kaiserin Elisabeth und natürlich die Roseninsel. In Berg schauen wir uns neben Kreuz und Votivkapelle auch den königlichen Marstall und die Bootshütte des Fischers an, der den toten Ludwig aus dem See gezogen hat.

Ab welchem Alter empfiehlst du solche Führungen?

Je nach Thema eigentlich für Schüler ab der ersten Klasse. Gemeinsam mit Lehrern haben wir im Sommer am Starnberger Gymnasium mit 11 Klassen Führungen zu verschiedenen geschichtlichen Themen durchgeführt. Das war sehr spannend. Die Führungen passe ich immer an das Alter der Jugendlichen an.

Von einer Stadtführung bis zum ersten Buch ist es immer noch ein langer Weg.

Das entwickelte sich eigentlich ganz automatisch. Für meine Besuche in den Schulen und für Führungen habe ich passende Handouts für Kinder und Lehrer erstellt. Im Laufe der Zeit entstanden so umfangreiche Unterlagen und Materialien. Am Ende fasste ich alles in einem Manuskript zusammen. Mit der tatkräftigen Unterstützung meines Schwiegervaters (Illustrationen) und einer lieben Freundin (Layout) entstanden alle Inhalte, die für ein Buch benötigt werden. In Zusammenarbeit mit der Stadt Starnberg wurde mein Erstlingswerk 2015 dann beim stadteigenen Kulturverlag herausgegeben. Das war mein Startschuss als Kinderbuchautorin.

Der Titel „Starnberg auf kleinem Fuß macht neugierig. Welche Ziele und Wünsche verfolgst du damit?

Ich habe den Stadtführer für Kinder und Jugendliche entwickelt und möchte sie mit auf eine Entdeckungsreise nehmen. Ich möchte ihnen altersgerecht „Kultur auf kleinem Fuß“ vermitteln und sie mit spannenden Erzählungen für unsere geschichtsträchtige Region begeistern. Starnberg hat so viel erlebt. Da gab es raue Eiszeiten, alte Römer, hübsche Prinzessinnen und manche behaupten, einen heimtückischen Königsmord. Das liest sich doch spannender als mancher Krimi, oder? Ich empfinde es als sehr wichtig, Kindern ein positives Heimatgefühl zu vermitteln.

Würdest du dich selbst als besonders heimatverbunden beschreiben?

Seit meiner Ausbildung zur offiziellen Gästeführerin lebe ich viel bewusster in unserer Heimat. Ich laufe jetzt mit ganz anderen Augen durch München, Starnberg und das Umland. Ich bin schon immer sehr viel und gerne gereist. Und doch freue ich mich jedes Mal, wenn ich zurückkomme. Ja, ich genieße und wertschätze unsere Heimat sehr.

Im Mai 2017 ist dein jüngstes Buch „König und Kaiserin auf kleinem Fuß“ erschienen. Darin lernen wir viel über das Alltagsleben von Ludwig II und Sisi kennen, das nicht in jedem Schulgeschichtsbuch zu finden ist.

Wie unterscheidet sich dein Buch von all den anderen Büchern zu diesem Thema?

In meinen Führungen und Vorträgen in München und Starnberg stellte ich bei  Groß und Klein ein besonders großes Interesse an dem Märchenkönig Ludwig II und der späteren Kaiserin Sisi fest. Monarchie, Adel und so manches Geheimnis fasziniert uns Menschen. Wir möchten mehr über berühmte Persönlichkeiten erfahren. Aus diesem Grund habe ich dafür umfangreich recherchiert. Ich war an historischen Orten und Museen, habe Archive durchgestöbert, historisches Bildmaterial angefragt und eigene Bilder aufgenommen.

Wie bist Du zu dem Vorwort des Herzogs von Bayern gekommen?

Über das Vorwort freue ich mich wirklich sehr. Ein ganz besonderes Highlight war für mich dieses zufälliges Treffen mit dem Herzog Franz von Bayern im Schloss Fürstenried am Ortsrand von München. Anlässlich des 100. Todestags von Otto (dem Bruder Ludwigs II) fand dort ein Gedenkgottesdienst mit Kardinal Karl Marx statt. Es ergab sich die Gelegenheit, dass wir mit dem Herzog sprechen konnten. Ich erzählte ihm von meinen Plänen und bat ihn um ein persönliches Vorwort. Eine Woche später erhielt ich tatsächlich einen Anruf aus Schloss Nymphenburg (seinem Wohnsitz in München) und schließlich seine Zusage!

Über welchen Verlag hast du dein zweites Buch veröffentlicht?

Im Eigenverlag. Ich habe die Produktion meines zweiten Buchs komplett in Eigenregie umgesetzt. Texte und Bildmaterial lagen vor. Lektorat, Grafik, Illustrationen erfolgten aus meinem privaten Umfeld. Ich habe mir eine Druckerei gesucht und dann fuhr irgendwann der Transportwagen zuhause vor und lieferte eine riesige Palette im Garten an. Ein sehr aufregender Moment!

Welches Buch liegt bei dir gerade auf dem Nachttisch?

Ich lese ja durch meinen eigentlichen Beruf als Lektorin sehr viel, vor allem kunsthistorische Texte für Ausstellungskataloge. Auch sonst bin ich eher ein Sachbuch-Fan und lese im Moment ein Buch zur deutschen Geschichte nach 45. Meine ältere Tochter ist da sehr interessiert und stellte gelegentlich Fragen, die ich nicht beantworten konnte. Da muss ich jetzt ein bisserl nachholen.

Gibt es neben dem Schreiben und deiner Familie weitere Hobbies?

Ich bin sehr gerne draußen in der Natur und in den Bergen. Jetzt beginnt ja die Zeit für Skitouren und Skifahren. Wir gehen auch öfter zum Bouldern und, wenn es die Zeit zulässt, verreise ich mit meiner Familie und schaue mir die Welt an.

 

Claudia, herzlichen Dank für das sehr interessante und ausführliche Gespräch mit Dir. Ich wünsche Dir weiterhin viel Freude und neue Ideen für zukünftige Projekte.

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