Nachgefragt bei Kriminalautor Guido Buettgen

Kritiker äußern sich positiv über das Romandebüt „Champagnerblut“ des in Feldafing lebenden Kriminalautors Guido Buettgen.

So ist DIE WELT der Meinung „Nachwuchsautoren wie der Münchner Guido Buettgen sind gesucht“. Und das etablierte Krimifestival München urteilt „Ein ganz starkes Krimi-Debüt“. Ich lese den Roman, werde neugierig und möchte den Autor persönlich kennenlernen. Wir verabreden uns zu einem Gespräch. Tatort ist ein gemütliches Café in der Heimat des Kriminalkommissars von Werdenfels….

Bayerische Regionalkrimis gibt es seit gut zehn Jahren in Hülle und Fülle. Spätestens seit 2007 Kommissar Kluftinger vom Autorenduo Volker Klüpfel und Michael Kobr zu seinem ersten Fall gerufen wurde, wächst das Leserinteresse an solchen Fällen rasant an. Und so werden stets neue regionale Ermittler von Autoren wie Nicola Förg oder Jörg Maurer auf den Weg geschickt, um wieder für Zucht und Ordnung in der Heimat zu sorgen.

Guido, trotz der hohen Autorendichte in diesem Genre hast du mit deinem Romandebüt „Champagnerblut“ den Nerv von Lesern und Kritikern getroffen. Hast du mit solchen Reaktionen gerechnet?
Nein, ehrlich gesagt nicht, aber ich freue mich sehr darüber. Schauplatz des Geschehens ist ja die Starnberger See-Region. Der Zirkel lässt sich sogar noch etwas enger ziehen. Die Hauptschauplätze befinden sich mitten in Starnberg und am Westufer. Vielleicht liegt es an der hohen Bekanntheit und Faszination dieser Gegend und ihrem mondänen, aber gleichzeitig auch traditionsbewussten Image. Oder an den Charakteren meiner Protagonisten. Norddeutscher Hamburger trifft auf adeligen Starnberger. Beide sind sehr unterschiedlich in ihrem Lebensmodell, ihrer Herkunft und Arbeitsweise. Es sind keine tolpatschigen Provinzpolizisten, obwohl man öfters über sie schmunzeln kann.

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Woher stammen deine Ideen für das Buch?
Ideen entstehen meist dann, wenn man nicht mit ihnen rechnet. Auf dem Weg in die Arbeit, beim Kajakfahren oder Boxen, beim Spaziergang mit unserem Hund oder bei einem Barbecue mit Freunden. Manchmal komme ich an einer Stelle am Starnberger See vorbei und weiß sofort, dass sich dort eine Schlüsselszene abspielen könnte.

Und wie entsteht daraus eine schlüssige Handlung? Gibt es bestimmte Methoden, denen du dich bedienst?
Meine Ideensammlung, Recherchen und Gedanken notiere ich ganz klassisch auf einem Flip Chart. Daraus entsteht dann ein grobes Gerüst, ein roter Faden mit einem Anfang und einem konkreten Ende. Viele Autoren bauen ihre Handlung systematisch vom Schluss auf – da gehöre ich auch mit dazu.

Wie entstehen deine Romanfiguren und Charaktere im Buch?
Von den beiden Hauptakteuren hatte ich sehr schnell eine konkrete Vorstellung. Ich wollte zwei gegensätzliche Charaktere etablieren. Steht ein Protagonist fest, denke ich mich intensiv in seine Rolle hinein. Ich überlege beispielsweise, wie sich Kriminalrat Mads Madsen in verschiedenen Situationen verhalten würde. Manchmal orientiere ich mich auch an anderen Menschen, denen ich begegne. Das heißt nicht, dass ich real existierende Menschen aus meinem Umfeld beschreibe. Es geht vielmehr um Reaktionen und Verhaltensweisen in bestimmten Momenten.

Es ist ein langer Weg von der ersten Idee bis zum Druckexemplar. Welche Streckenabschnitte muss ein Autor zurücklegen?
Das ist eine gute Frage. Vieles war mir als Newcomer in der Autorenwelt auch nicht so bewusst. Zunächst gilt es, für deine Idee einen Verlag zu finden. Man versendet sein Manuskript an zahlreiche Lektoren und hofft auf ein positives Zeichen. Signalisiert ein Verlag Interesse, folgt eine umfangreiche Präsentation des Buchkonzepts. Darin enthalten sein muss die komplette Handlung vom Anfang bis zum Ende. Mit etwas Glück erhält man dann eine Zusage. So wie ich beim emons Verlag in Köln.

Wie geht es dann weiter?
Nach der Zusage war ich erst einmal total happy. Und dann war Schreiben, Schreiben, Schreiben angesagt. Mein erstes Manuskript umfasste 800 Seiten. Nach Einreichung der Unterlagen im Verlag folgten verschiedene Phasen des Lektorierens bis zur finalen Druckfreigabe. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Manuskript dann übrigens nur noch schlanke 400 Seiten. Parallel wird der Buchtitel festgelegt und ein Umschlaglayout entwickelt. In diesem Zeitraum startet der Verlag auch bereits mit der Vermarktung durch Vorankündigungen etc.

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Wie lange hast du für deinen ersten Roman benötigt?
Von der ersten Idee bis zum druckfrischen Exemplar sind gut zwei Jahre vergangen. Zwei Jahre, in denen es mir nicht langweilig wurde… Nachdem ich ja noch einen Job als Geschäftsführer einer Münchner Werbeagentur und eine Familie habe, blieb nur wenig Zeit übrig zum Schreiben. Ich habe meine Urlaube genutzt und so manche Nachtschicht am Schreibtisch eingelegt. Meine Familie hat mich in dieser Zeit sehr unterstützt und hatte Nachsicht mit mir. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar.

Warst du schon mal Opfer berühmt-berüchtigter Schreibblockaden? Tage, an denen der Kopf leer und das Papier im übertragenen Sinne weiß bleibt?
Nein, längere Blockaden hatte ich bisher glücklicherweise nicht. In der Hauptphase habe ich stundenlang geschrieben. Dafür ziehe ich mich zuhause in mein Arbeitszimmer zurück. Ein ruhiges Umfeld ist beim Schreiben unheimlich wichtig für mich. Meist komme ich in eine Art „Flow“. Ich tauche in eine Handlung ein, sehe Bilder, Reaktionen und Handlungen meiner Akteure vor mir und halte alles fest. Wenn es doch einmal zäh ist, helfen mir oft Mechanismen aus meiner Tätigkeit in der Werbebranche. Auf Knopf- bzw. Termindruck ist man ja auch hier angehalten, für seine Kunden kreative Konzepte zu entwickeln.

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Liegt dir Schreiben im (Champagner)Blut?
Als strikter Antialkoholiker sicherlich nicht! (lacht). Aber die Welt der Worte hat mich schon immer fasziniert. Ich schätze es, wenn sich Menschen gut ausdrücken können – deshalb arbeite ich auch unheimlich gerne mit Textern zusammen. So richtig entfacht wurde meine Schreibleidenschaft aber erst 2010. Damals nahm ich mir eine berufliche Auszeit und bin alleine für drei Monate auf Weltreise gegangen. In dieser intensiven und lehrreichen Zeit traf ich viele interessante Menschen, wurde mit mir fremden Kulturen und Sichtweisen konfrontiert. Irgendwann habe ich damit begonnen, alle Impressionen schriftlich festzuhalten. Nach meiner Rückkehr ist daraus ein Reisebericht entstanden – mein erstes literarisches Werk sozusagen. Seitdem lässt mich das Schreiben nicht mehr los…

Gibt es neben dem Schreiben und deiner Familie weitere Hobbies?
Ja, Boxen und Kajak fahren sind weitere Leidenschaften von mir. Wann immer es die Zeit erlaubt, steige ich in den Ring oder drehe eine Kajakrunde auf dem See. Außerdem habe ich im Rahmen meiner Weltumrundung das Reisen „entdeckt“. Gemeinsam mit meiner Familie möchte ich noch einmal die schönsten Stationen meiner Weltreise besuchen. Bis jetzt sind wir auf einem guten Weg….

© Kim Buettgen
© Kim Buettgen

Zum Schluss noch eine Frage, die alle „Champagnerblut“ Leser bewegt. Wird es eine Fortsetzung des Ermittlerduos Madsen/von Werdenfels geben?
Auf jeden Fall! Schon alleine wegen der vielen positiven Reaktionen und der zahlreichen Leserfragen nach einem zweiten Teil werde ich eine Fortsetzung schreiben. Allerdings kann ich noch keinen Erscheinungszeitpunkt nennen – momentan bin ich voll und ganz mit meinem „Hauptjob“ beschäftigt…

Guido, herzlichen Dank für das ausführliche und offene Gespräch. Ich wünsche dir weiterhin viel Kreativität und Energie für die Zukunft.

Und hier geht’s lang zu meiner ganz persönlichen Rezension von „Champagnerblut“.

Gewinnt zwei  Tickets  für einen „Krimi-Brunch“ am Starnberger See im Golfhotel Kaiserin Elisabeth. Alle Infos darüber finden ihr in diesem Beitrag.

 

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