Im Gespräch mit Jan und Sven Thunig von der neuen Starnberger Eiswerkstatt

Wie wäre es mit einer Kugel cremigem Piemont Haselnusseis, Schokolade-Brownie und Joghurt-Karamell? Oder eher mit fruchtigem Zitrone-Basilikum und indische Mango? Serviert in einer selbstgebackenen Butter-Zimt-Waffel. Besonders geeignet zum Verzehr im bequemen Liegestuhl, aufgestellt im neuen Starnberger Bürgerpark am See…

Habt ihr schon im neuen Starnberger Eis-Mobil vorbeigeschaut? Ich war kürzlich dort und habe mit einigen Freundinnen samt Nachwuchs einige Eissorten getestet. Und war schnell überzeugt. In einem ausführlichen Gespräch mit den beiden Gründern Jan und Sven Thunig erfuhr ich so einiges, darunter:

  • Was ist das Geheimnis von Jan`s und Sven`s Pistazieneis?
  • Liegt eine Leidenschaft für Speiseeis in den Genen?
  • Wie kommt man auf die Idee, Eis in einem ehemaligen Imbisswagen anzubieten?
  • Was planen die beiden Gründer der Starnberger Eisfabrik in den Wintermonaten?
  • Dürfen in Deutschland eigentlich Hinz und Kunz Eis herstellen und an uns verkaufen?

Seid ihr zwei Eis-Junkies?
Jan: Ja, wir sind zwei bekennende Eis-Junkies! Wir lieben Eis. Wahrscheinlich wurde uns diese Leidenschaft vererbt und in die Wiege mitgegeben. Unsere Mutter hat in unserer Kindheit bereits mit einer von ihrem Großvater geerbten alten Maschine selbst Eis hergestellt. Das war so ein historisches Modell, bei dem man die Maschine mit Zutaten noch in den Gefrierschrank stellte und ein Stromkabel durch die offene Tür nach außen hängen ließ. Ich erinnere mich vor allem noch gut an das Pfirsich- und Erdbeereis.

Wann und wie reifte die Idee für eure Geschäftsidee? 
Jan:
Während Sven Lebensmittel- und Verpackungstechnologe studierte, entschied ich mich für ein BWL-Studium und einen „gesetzten“ Beruf im Beratungsumfeld. Die Eis-Leidenschaft hat uns aber all die Jahre nie losgelassen. Irgendwann haben wir zuhause selbst begonnen, Eis zu fertigen und herumzuexperimentieren. Es folgten verschiedene Kurse in einer Berliner Eisfachschule und an der bekannten Carpigiani Gelato University, über die wir interessante Kontakte knüpfen konnten. Wir besuchten Fachmessen im In- und Ausland. Vor fünf Jahren haben wir zuhause im Keller begonnen, privat verschiedene Eissorten herzustellen und zu testen. In den letzten zwei Jahren wurden unsere Pläne dann konkret und wir fällten die Entscheidung für die Starnberger Eiswerkstatt.

In Starnberg gibt es bereits renommierte Eisdielen? Ist da noch Platz für die Starnberger Eiswerkstatt?

© Miriam Heinz
© Miriam Heinz

Ja! Wir sind überzeugt davon, dass es noch Platz für einen weiteren Eisanbieter gibt. Industriell hergestelltes Speiseeis hat in Deutschland einen Marktanteil von etwa 80 bis 90 Prozent. Und eine Schnellrestaurant-Kette wirbt gerade damit, die „größte Eisdiele Deutschlands“ zu sein. Wir wollen die Menschen davon überzeugen, lieber handwerklich hergestelltes Eis zu kaufen.

Was steckt hinter eurem Slogan „Ehrlich.Lecker“?
Sven: „EHRLICH“ ist das Versprechen an unsere Kunden, dass wir bei unseren Zutaten keine Kompromisse eingehen und unser Eis dadurch pur und unverfälscht, also einfach LECKER ist. Man probiert es und denkt sich „So sollte Eis schmecken!“

Produziert ihr original italienisches Eis?
Jan: Gutes Eis ist keine Frage der Nationalität. Wir stellen handwerklich Speiseeis in hoher Qualität ohne den Einsatz von Fertigmischungen her. Und wir wollen zeigen, dass auch Deutsche gutes Eis fertigen können.

1,50 Euro für eine Kugel Eis ist auch in Starnberg kein Schnäppchen…
Sven: Ja, das stimmt, wobei es in München häufig Kugeln für 1,50 und mehr zu kaufen gibt… Bei uns spiegelt der kalkulierte Preis unsere tatsächlichen Einkaufs- und Produktionskosten wider: Wie bereits gesagt, wir legen sehr viel Wert darauf, alles selbst zu machen, neben dem Eis eben auch die Soßen, sowie die Butter-Zimt-Waffeln. Diese Arbeit machen sich nur die wenigsten! Und wir verwenden ausschließlich hochwertige Rohstoffe, die wir über spezialisierte Lieferanten finden. Sofern möglich, bevorzugen wir regionale Anbieter.

Welche Rohstoffe verwendet ihr denn?
Jan: Nehmen wir die Milch: Da verwenden wir für unsere Milcheissorten zum Beispiel frische Berchtesgadener Bergbauernmilch. Diese ist im Einkauf spürbar teurer als H-Milch. Oder ein anderes Beispiel: Unser Pistazieneis erhält seinen intensiven Geschmack durch die Verwendung hochwertiger und intensiv schmeckender Pistazien aus Sizilien. Dort wachsen die Pistazienbäume auf Vulkangestein und sind mit die besten, die es auf dem Markt gibt. Der Einkaufspreis ist dafür entsprechend höher. Wir verzichten auch vollständig auf künstliche Aromen und Farbstoffe. Und haben für Allergiker und Veganer einige Sorten im Angebot.

Wie viele Eissorten bietet ihr an?
Jan: In unserer Eisvitrine ist derzeit Platz für zehn Sorten. Durchschnittlich bieten wir täglich 12 bis 14 verschiedene Eissorten an, die wir durchwechseln. Auch hier ist unser Ansatz „Qualität“ vor „Quantität“.

Was habt ihr aktuell im Angebot?

© Miriam Heinz
© Miriam Heinz

Sven: Zur Auswahl stehen derzeit unter anderem Sizilianische Pistazie, Schokolade-Brownie, Piemont Haselnuss, Zitrone-Basilikum, Indische Mango, Erdbeer-Milchreis, Apfel-Heu, Milchkaffee, Tonkabohne und Joghurt-Karamell.

Wie offen seid ihr gegenüber exotischen Eissorten?
Jan: Sehr offen, auch wenn es für uns Grenzen gibt. Ein Würstel- oder Sauerkrauteis suchen Kunden bei uns vergeblich. Wir experimentieren jedoch beide äußerst gerne. Wir probieren immer wieder neue Varianten und Geschmacksrichtungen aus. Und lassen uns vielerorts inspirieren. Kürzlich war ich in der Lüneburger Heide und habe echten Heidehonig mitgebracht, den ich schon seit meiner Kindheit liebe. Lecker! Jetzt bin ich gerade dabei, eine neue Eisvariante aus Heidehonig und Schwarzbrot zu kreieren. Mal sehen…

Wer testet euer neues Eis, bevor es in den Verkauf geht?
Jan: Zunächst müssen wir beide überzeugt sein. Für weitere Geschmackstests hat sich ein kleiner aber anspruchsvoller Kreis etabliert; bestehend aus Familienangehörigen, Freunden und Nachbarn.

Wo produziert ihr das Eis?
Jan: Unsere Produktionsstätte befindet sich aktuell in der Weilheimer Straße in Starnberg. Leider bietet sich die Räumlichkeit aktuell noch nicht für ein Ladengeschäft an. Da sind wir noch auf der Suche. Neben unserem Eiswagen ist es unser Wunsch, unsere Ware ganzjährig an einem festen Standort anzubieten. Aber der ist nicht einfach zu finden. Und als einheimische Starnberger möchten wir unbedingt in der Stadt bleiben.

Wo kann man euer Eis kaufen?
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Jan: Derzeit nur an unserem Eismobil, mit dem wir an verschiedenen Standorten sind (Termine und Orte siehe Artikelende).

Haben Interessenten weitere Möglichkeiten, an euer Eis zu gelangen?
Jan: Ja klar. Man kann uns mit Eiswagen auch für Firmenveranstaltungen und private Events, zum Beispiel Hochzeiten buchen. Für kleinere Veranstaltungen wie Geburtstage oder Taufen bieten wir zwei mobile Tischvitrinen zum Verleih an und liefern das gewünschte Eis. Über unsere Webseite kann man auch Eis in kleineren Mengen zum Abholen bestellen. Wir produzieren frisch nach Wunsch, verpacken das Eis in wieder verwertbare 1 Liter Iso-Styroporbehälter und rechnen nach Gewicht ab (17,50 € pro Kilo inkl. 7% Mwst.). Und im nächsten Jahr werden wir verstärkt auf Open Air Veranstaltungen und Street Food Festivals in der Starnberger Region und weiteren Städten im Umkreis von ca. 100 Kilometer präsent sein.

Deutschland ist bekannt für strenge Lebensmittelkontrollen…ist das ein Hemmschuh?
Sven: Ja, die Anforderungen an den Lebensmittelhandel sind in Deutschland schon ziemlich komplex. Aber aufgrund meines Studiums sind mir diese bestens vertraut. Unsere Produktion erfolgt natürlich unter strengster Einhaltung aller hygienischen Bestimmungen.

Was macht ihr im Winter?
Sven: Eis! Ja, wir werden ganzjährig saisonal passende Eissorten anbieten. Denn es ist ein Trugschluss, dass in Deutschland nur in den Sommermonaten Eis verzehrt wird. Nachdem einige Eisdielen über die Wintermonate schließen, entsteht dieser Eindruck. Folglich kaufen die Menschen fertiges Industrieeis im Supermarkt.

Jan: Also, ich freue mich schon auf die Herbst- und Wintermonate. In unseren Köpfen schwirren verschiedene Ideen mit Marone, Lebkuchen oder… Zudem werden wir unser Sortiment im Winter um Crêpes etc. erweitern.

Ein Eismobil als Verkaufsstätte ist ungewöhnlich. Wie wird die mobile Verkaufstheke angenommen?

© Miriam Heinz
© Miriam Heinz

Jan: Absolut positiv! Wenn man bedenkt, dass der ehemalige Imbisswagen eigentlich als Notlösung fungierte, freut uns diese unglaublich positive Resonanz sehr. Wir haben den Wagen Ende Januar 2016 in München entdeckt – mehr oder weniger zufällig. Er war als kombinierter Eis-Imbisswagen im Einsatz. Wir haben dann selber Hand angelegt und unser Mobil hergerichtet. Oft werden Spaziergänger oder Radler beim Anblick unseres Eismobils neugierig und schauen vorbei…

Darf jedermann Eis herstellen und verkaufen?
Jan: Ja, im Prinzip können Hinz und Kunz Eis produzieren und verkaufen. Nach einer Probephase wurde 2014 der eigene Ausbildungsberuf Fachkraft für Speiseeis eingeführt. Das geht in die richtige Richtung, wenn wir von Qualitätsstandards sprechen.

Eis ist gleich Eis?
Jan: Nein! Wichtig ist zu erkennen, dass italienisches Eis nicht automatisch gut und hochwertig ist. Es gibt wirklich hervorragendes italienisches Eis. Viele Eisdielen und Eiscafés verwenden jedoch vorgefertigte Produkte. Also Eis, dass entweder aus Fertigmischungen angerührt wird, oder bereits fertig gefroren von Großherstellern geliefert wird. Manchmal wird noch selber Hand angelegt und noch ein paar frische Früchte oder Schokostreusel beigefügt. Anders ist die tägliche Angebotsvielfalt mit 20 oder 30 Sorten kaum machbar. Das ist auch alles in Ordnung, so lange der Konsument nicht in die Irre geführt wird und weiß, was er in seinem Becher hat. Es wird seit geraumer Zeit über ein Qualitätssiegel nachgedacht. Ich denke aber, dass es sehr schwierig ist, einen echten Qualitätsstandard zu etablieren. Viel wichtiger als ein Gütesiegel ist es, das Eis zu probieren und selbst zu entscheiden.

Bei welcher Eis-Sorte könnt ihr persönlich nicht widerstehen?
Sven: Zu meinem Favoriten gehört auf jeden Fall das Latte-Macchiato-Eis.
Jan: Bei mir ist es derzeit Apfel-Heu.

Jan und Sven, ich danke euch für das sympathische und informative Gespräch mit euch beiden! Und drücke der Starnberger Eiswerkstatt für die weitere Zukunft fest die Daumen!

PS: Meine Lieblingssorte ist aktuell Piemont-Haselnuss.

Termine: Hier könnt ihr euch selbst durch die Eissorten der Starnberger Eiswerkstatt probieren:

  • Noch bis 30. September im neuen Bürgerpark „Schiffswiesen“ in Starnberg (täglich außer Samstagvormittag von 10.00 bis mindestens 18.00 Uhr)
  • Jeden Samstag auf dem Starnberger Wochenmarkt am Kirchplatz

Link: Starnberger Eiswerkstatt
Nachweis Titelbild:© Miriam Heinz

One Reply to “Im Gespräch mit Jan und Sven Thunig von der neuen Starnberger Eiswerkstatt”

  1. […] Beachvolleyball. Bei schönem Wetter kann es auch sein, dass das Starnberger Eismobil da ist (siehe Interview im Blog Starnbergtalk.de) und einige Liegestühle mitgebracht hat. Einen Badestrand wird es aber […]

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